Weißbuch der “Forderungen an die Architektur”

Weißbuch der Architektur zur geo-sozialen Frage des 21.Jhdts. Kategorisierung, Auflistung und Beschreibung der “Forderungen an die Architektur” seitens unserer Lounge-Gäste. 

JOHANNA ZIEBRITZKI . ULRIKE GUEROT . KARIN HILTGARTNER . EBERHARD SCHWARZ . GUIDO FUNKE . NISHA & LOTTE . HENNING WILTS . SINA KAUFMANN . ANJA BIERWIRTH . MICHAEL ZÜRN . GERNOT RITTER  . ANDREAS SPIEGL  

Im Folgenden finden Sie Aussagen, Meinungen und Expertisen von 12 Personen, mit völlig unterschiedlichen Hintergründen. Man könnte meinen, dass ihre Forderungen an die Architektur/ Menschen sehr unterschiedlich ausfallen sollten. Tatsächlich entsteht aber eine große Einheit, viele Aussagen werden wiederholt, oder einfach von einer anderen Seite aufgezogen, am Ende läuft alles auf ähnliches hinaus.   

Wir müssen gemeinsam denken und dafür müssen wir mehr zusammenkommen. Großes entsteht nur wenn man Zusammenhänge beobachtet/ berücksichtigt – was einschließt Kleines zu beachten und Zusammenarbeit schätzt und fördert. Dabei ist Kleines genauso wichtig wie Großes, weil es im Zusammenhang miteinander steht. 

Denken Sie Klein: 

– Denken Sie klein! Wir kommen nicht weit, wenn wir uns den geosozialen Fragen des 21. Jhd. zuwenden wollen. Unser Tag hat 24h, wir sind kleine Menschen an einem bestimmten Ort, mit bestimmten finanziellen und emotionalen Einschränkungen. Ich kann die geosoziale Frage nicht benennen oder lösen. 
– Denken Sie klein! Wie kann man Architektur mit einem möglichst klein gehaltenen Kreislauf betreiben? Die Menge der im Kreis geführten Ressourcen soll möglichst gering sein. Architekten werden dabei eine zentrale Rolle spielen. 

Denken Sie Groß: 

– Mut zum Groß denken, bestimmte Dinge sollten nicht mehr mitgemacht werden 
– wieder Kathedralen bauen – Größe! – in die Höhe schauen. Wenn wir keine Skeptiker sein wollen, müssen wir Kathedralen bauen. Was sagt es denn über die Gesellschaft aus, dass wir nicht mehr in der Lage sind Kathedralen zu Bauen? 
– Mut zum Neuen und Großen, nicht zur Effizienzarchitektur, Mut zum nicht fertig werden 
– Handeln sie groß! “Sie müssen wieder Kathedralen bauen. Nur Tinyhouses reichen nicht.” Mut zur Größe, zu schönen Steinen und Handwerkskunst. 
– Groß träumen, “Sceptics don’t build Cathedrals.”  
– Viel in Bewegung bleiben…. neu Denken…. alle sensorischen Sinne Denken… 
– Zukunftsorientiert und nicht vergangenheitsbewältigend 

Gespräch: 

– Diskurs und Gespräch sollte am Anfang stehen 
– Begegnung zwischen Menschen fördern, Auseinandersetzungen und Dialog fördern – öffentliche Räume/Orte so gestalten, dass Begegnungen möglich sind. 
– aufgeschlossene Diskussion, offenes Anhören anderer Themen und Meinungen 
– miteinander in Gespräch und Auseinandersetzung kommen (Abschottung ist extrem gefährlich) 
– Begegnung zwischen Menschen ermöglichen und befördern (Diskurs und Gespräch ermöglichen) 

Allgemein: 

– Architektur hat, mit seiner Aufgabe Raum zu bilden und zu gestalten, einen unfassbaren Einfluss darauf wie wir leben, wie umwelt- und klimaverträglich wir leben. 
– Was wollt ihr in der Welt verändern? Was wollt ihr gestalten? Wie kann sich das auf die Architektinnenidentität auswirken? 
-Probleme erkennen und sich darum kümmern, aus Ohnmacht und Übersättigung raus kommen. 
– Weg vom modernistischen Idealzustand, im Prozess mit anderen Personen und Disziplinen gibt es genauso viel Gestaltungsspielraum, wenn nicht sogar mehr. 
– Qualität statt Quantität. 
– Architektur ist vom politischen nicht zu trennen, weil sie radikal einen Begriff von Raum vermittelt / artikuliert 
– Architektur soll nicht nur Freiräume zulassen, sondern das Ferne inkludieren 
– Wie weit ist Architektur sensibel für das Ereignishafte? – das Dislozierte in Räumen mit denken 

Utopie: 

– Man fordert eine Welt auf indem man Utopien macht

In der Stadt: 

– Mikrogrünanlagen statt Autostellplätze, für Menschen und die Aufenthaltsqualität essentiell – genauso wichtig für das Klima 
– Parkspuren für Fußgänger und Radfahrer freigeben 
– Stadt muss so geplant werden, dass sie mit den Veränderungen des Klimas zurecht kommt (Windschneisen wichtig für Kühlung, so wenig versiegelte Flächen wie möglich, Grünanlagen) Vorgaben und Einschränkungen sind in anderen Bereichen viel vorhanden und müssen auch für das Klima gemacht werden. 
– Wie viel Durchmischung gibt es in der Architektur? -Stadt wieder zur Stadt machen, Städte sollen autofrei werden- Architekten haben die Aufgabe der sozialen Durchmischung 
– Stadt lebenswerter machen, Autoverkehr unterbinden, mehr für Fußgänger tun 
– Architektur wird auf die Lebensplanung zwischen Stadt und Land einen wichtigen Einfluss haben (müssen wir immer wieder vor Hitze aufs Land fliehen?) 
– Veränderungen durch die Coronakrise hat gezeigt wie wichtig Raumnutzung ist, Grünräume sind stark in der Nachfrage gestiegen. 
– Verwirrung der Sozialen Räume, Städtebauliche Aufgabe 

Wohnen: 

– Potentiale des Homeoffice, die Wohnung muss aber auch dafür gemacht sein, es kann nicht alles in einem Raum statt finden.
– Alt mit Jung zusammen bringen. Soziales Zusammenwohnen. 
– nachhaltige Architektur- und Raumplanung, Ansprüche an den Raum verstärken 

Gestaltung: 

– ihr gestaltet die Welt von morgen, ihr entscheidet, wie die Welt von morgen aussieht, wie sie aufgebaut und beschaffen ist 
– terrestrische Spielräume / Spielplätze (wie würde sowas aussehen?) 
– Energie des Gestaltens auf Gesellschaft ausweiten 
– Architektur ist mehr als Design und Gestalt! Sozialwissenschaften, Psychologie, Warum funktionieren einig Dinge und andere nicht? Architektur muss genutzt werden! 
– Schönheit in Abläufen finden und wie sie funktionieren 

Planung: 

– Kann das Gebäude noch mehr auf den Menschen ausgerichtet werden? Was steht im Mittelpunkt? Für wen ist es? Wie nachhaltig ist es? 
– Keinen Masterplan machen. Keine abgeschlossene Dinge. 
– Was ist öffentlicher Raum? 
– Welche Art von Politik produziert welche Art von Privatheit? Dichotomie von Innen-Außen, Privat-Öffentlich 
– Raum vorbereiten für Migration/ Diversität (Ventile bereithalten) 
– Sozial verträgliches entwickeln 
– Effiziente Nutzung der Gebäude 
– Zusammenhänge reflektieren 
– Wie sieht arbeiten und zusammenleben in der Zukunft aus? 

Handlung: 

– Nach der Krise aktiv entscheiden wohin wollen wir zurück, was wollen wir wieder aufbauen? 
– Null Hektar Ziel (Neuausweisungen müssen an anderer Stelle kompensiert werden) 
– Es gibt eine Spaltung des Bauens die die kulturellen Spannungen wieder gibt. Diese Spaltung soll überwunden werden. 
– Durch das Bauen wieder mehr zu wahrnehmenden und hörenden Wesen zu werden 
– Wiedersetzten, neue Standards schaffen (auch bei Materialien), größere Aufsässigkeit 
– Führungsrolle übernehmen (vorsichtig formuliert) “Das Zepter in die Hand nehmen” 
– Die Rolle der Jugend vertreten, als kämpferisch 
– Es braucht manchmal die Ersten die sagen “Nö” 

Gesellschaft:  

– Gesellschaft verpflichten über Habitat nachzudenken. Was heißt es so zu wohnen/zu leben, um nicht zu “gated communities” zu werden? 
– Wohnungsumgebung ist ausschlaggebend für die Chancen der Kinder, das ist der Schlüssel von Abbau von Ungleichheit über Generationen hinweg. 
– Wie kann Architektur in einer Gesellschaft gemacht werden? Wie kann Architektur und Gesellschaft zusammenhängen? Wie leben wir zusammen, untereinander und mit der Erde? 
– Wie können Straßen/Infrastrukturen gemeinsam getragen werden? – staatliche Souveränität übernehmen, gemeinsames Sorgetragen als Status quo 

Struktur: 

– Entwerfen hat nicht nur mit „guten“ utopischen Ideen zu tun, sondern mit Strukturen. 
– Wir brauchen neue Kooperationsformen. Kein Akteur wird neue Lösungen alleine hinbekommen. 
– Regularien von dem befreien, was kontraproduktiv ist 
– Welches Raumprogramm brauche ich denn überhaupt? 
– Ordnungsrecht entrümpeln, Was ist tatsächlich notwendig? (damit jetzige Entwicklungen nicht noch weiter befeuert werden, sondern sich in eine neue Richtung entwickeln können) 
– stärkere Offenheit für integrierte Planung mit Infrastruktursystemen 
– Abbau Individualverkehr, Wege finden für Entsiegelung von Architekten muss gefunden werden. 
– Veränderung von privatem und öffentlichem Raum 
– Puzzleteile, die zu einem größeren Ganzen führen 

Mensch: 

– Wir werden geprägt von dem was uns umgibt. Architektur hat einen großen Einfluss darauf, sie hat großes Entfaltungspotential. 
– Antwort geben können: Was braucht der Mensch? im Zusammenleben mit allem anderen? 
– Eine Antwort auf die Frage geben die alle relevanten Lebensbereiche betrifft “Was braucht der Mensch?” 

Selbstfindung: 

– Was treibt euch an? Was ist der Sinn eures Lebens? Was wollt ihr mit eurem Leben auf dieser Erde anfangen?
– Durch Selbstbeschreibung merken, wo man auf Herausforderungen trifft und nicht die Lösungen von jemand anderem übernehmen. 
– Bewusstsein, dass wir uns in einem „Ist“ befinden und aus diesem heraus handeln. 
– Neue Standarts schaffen – die Vereinfachung schaffen – und daraus sollte eine Selbstfindung resultieren 
– Führungsfunktion und Vordenkerrolle übernehmen – Inspiration sein, indem man etwas tut 
– eigenes Interesse ernst nehmen, Begeisterung folgen, Ursachen der Sehnsucht nachgehen 
– Der Spur der eigenen Sehnsucht folgen 

Nachhaltigkeit: 

– So bauen, dass für die nächste Generation gesorgt ist, aber nicht für die Ewigkeit. 
– Nichts bauen, was Spuren hinterlässt, die 2-3 Generationen überdauern. 
– Wie führen wir etwas im Kreis? Was hat das für Effekte für Ressourcenverbräuche? Potentiale werden zu wenig genutzt 
– klimagerecht/klimaveträglich bauen 
– Gebäude, die auch in 20/30 Jahren noch funktionieren 
– Gebäude müssen klimagerecht und klimaverträglich sein 

Verantwortung: 

– Was hinterlasse ich? Was kann ich verantworten zu bauen und in die Welt zu setzen? 
– Diese Verantwortung von allen Seiten beleuchten! 
– Sind verpflichtet über unseren Habitat nachzudenken und Überzeugungsarbeit zu leisten. 

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Von

Nele Esteban-Dettmar, Ronja Holweg, Jonas Stähle