Essay zur Abhängigkeit Erdverbundener

„…wovon ein Erdverbundener für sein Überleben abhängt, und sich dann zu fragen, welche anderen Erdverbundenen von ihm abhängig sind.“ – Bruno Latour

Wir Menschen, sowie die meisten Lebewesen, scheinen zunächst auf ein paar grundlegende Ressourcen angewiesen zu sein: Luft (beziehungsweise vor allem der Sauerstoff der in ihr enthalten ist), Wasser, und Nahrung.

So lässt sich zu beginn bereits eine erste große Abhängigkeit in unserem Ökosystem erahnen,

zwar immer noch sehr vereinfacht, aber: Tiere und Menschen verbrauchen Sauerstoff und geben Kohlenstoffdioxid ab, Pflanzen benötigen dieses und sondern wiederum Sauerstoff ab.

Auch bei dem Faktor Wasser sind wir stark von dem System das uns umgibt abhängig. Von dem allgemeinen Wasserkreislauf, bis hin zu sauberen Bodenschichten für eine funktionierende Filterung und Anreicherung (von wichtigen Mineralien) des Grundwassers (welches wir zu nutzen gelernt, oder bereits davor durch Quellen genutzt haben). Schon diese zwei Grundbedürfnisse lassen einen erkennen wie wichtig eine gesunde Erde und ein funktionierendes Ökosystem für uns ist.

Nahrung, die die Grundlage für den Stoffwechsel (welcher Tiere und Menschen mit Energie versorgt), und so praktisch ebenfalls eine Grundlage für das Leben überhaupt ist, beziehen wir ebenfalls aus unserem Ökosystem. Ob pflanzlich oder nicht, so hat doch jegliche Nahrung die wir konsumieren ihren Ursprung im Pflanzenreich. Auch diese Lebensformen sind auf Luft (hier ist es eher der Kohlenstoffdioxidgehalt der eine wichtigere Rolle spielt) und Wasser aber auch auf einen gesunden Boden, aus dem sie viele ihrer Nährstoffe ziehen, angewiesen. Nicht zu vergessen sind wichtige, spezifische Mikroorganismen aber auch andere Lebensformen, die diesen Boden aufarbeiten und mit den Nährstoffen (welche über die Nahrungskette direkt oder über Umwege später, unter anderem, bei uns Menschen landen) anreichern. Aber auch hier benötigt es oft ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Akteure, ein Beispiel wären Bienen und andere für die Verteilung von Pollen wichtige Insekten, um dieses System funktionieren zu lassen. 

Eine Änderung in dem (vor allem biochemischen) System, durch welches so gut wie alle Erdverbunden untereinander Verbunden sind, wirkt sich so mehr oder weniger auf alle Lebewesen aus. Ebenso bleibt wohl noch zu erwähnen, dass die spezifische Entwicklung hin zu verschiedenen Biotopen, aufgrund verschiedener Klimaregionen, bei einer Änderung des Klimas zu drastischen Konsequenzen führen kann, wenn dieser zu schnell von statten geht um eine Anpassung der einzelnen Akteure zu ermöglichen.

Da jegliches Lebewesen innerhalb der kritischen Zone, im Laufe der gemeinsamen Evolution unseres Lebensraums, seinen eigenen Platz gefunden und sich dementsprechend angepasst, beziehungsweise jede Lebensform sich aus den bestimmenden Gegebenheiten heraus entwickelt hat, stellt sich die Frage welche Rolle die Art Mensch in dem großen ganzen spielt. 

Zunächst lässt sich feststellen, dass wir, um einen bewohnbaren Planeten (welcher unsere Grundbedürfnisse deckt) zu erhalten, theoretisch (mehr oder weniger) auf alle anderen existierenden Erdverbundenen angewiesen sind. Dies möchte ich später noch einmal aufgreifen.

Was braucht der Mensch also noch um zu überleben? Beziehungsweise braucht der Mensch mehr als diese drei Grundbedürfnisse? Eigentlich nicht. Allerdings muss in Betracht gezogen werden wie wir leben. Als die auf unserem Planeten am „weiteste“ entwickelte Lebensform sind wir über das simple Jäger und Sammler Prinzip bereits weit hinaus. Außerdem sind wir keine Einzelgänger, sondern leben meist in größeren Gesellschaften mit verschiedenen Familien bestehend aus einzelnen Individuen. Es gibt andere Lebensformen mit einer ähnlich großen, oder sogar noch größeren Anzahl an zusammenlebenden Wesen, doch sind wir die bei weitem fortschrittlichsten.

Wissenschaft und Technologie haben unsere Lebensart auf unglaubliche Weise verändert.

Zumindest sind wir also in gewisser Weise von anderen Menschen, ebenfalls Erdverbundenen, abhängig. Wir haben irgendwann angefangen mehr oder weniger Lebenswichtige Aufgaben untereinander zu verteilen. Dies ist meiner Meinung nach ein entscheidender Faktor unserer Lebensweise. Sehr vereinfacht beschrieben: der Bauer kümmert sich um Nahrung, der Arzt um die Gesundheit, der Architekt um Unterkünfte und so weiter. Das Akquirieren, Weitergeben und Verteilen von Wissen hat im Laufe der Geschichte das Überleben unserer Art gesichert. Zusammenarbeit war überlebenswichtig und -notwendig.

Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass in Zukunft eine verstärkte ja fast schon allumfassende Zusammenarbeit zwischen den Menschen überlebenswichtig und -notwendig ist. Und jeder Mensch der nicht so gut situiert ist wie die paar privilegierten von uns die die Zeit und Ressourcen haben sich mit diesen Themen auseinander zu setzten, ist somit ein Stück weit von jedem von uns abhängig. So ist es jetzt zumindest an der Zeit in unseren politischen Systemen dafür zu mobilisieren oder Aufmerksamkeit zu schaffen. Denn wir sitzen schließlich alle in dem selben Boot, welches zur Zeit unaufhaltsam, so scheint es zuweilen, auf den Abgrund zusteuert.

Welche Rolle spielt also der Mensch in unserem System Erde? Ab dem Zeitpunkt an dem wir anfingen Pflanzen gezielt anzubauen und Tiere zu domestizieren, scheinen wir uns immer weiter aus dem „natürlichen“ Kreislauf innerhalb der kritischen Zone ausgeklinkt zu haben. Obwohl wir immer noch abhängig von einem gesunden Ökosystem sind, haben wir dieses immer mehr beeinflusst und langsam Verändert (manchmal mehr manchmal weniger invasiv). Von uns die wir eine so übergeordnete Position in dem System Erde eingenommen haben, ist nun auch das Überleben aller anderen Erdverbunden abhängig. „Wir” als Gesellschaft, die voneinander abhängen, haben uns herausgenommen, ohne uns allzu besonders viele Gedanken darüber zu machen, mit der kritischen Zone und mit dem Lebensraum unzähliger anderer Wesen nach belieben umzugehen.

In der Konsequenz bedeutet das, dass wir uns, über einen Zeitraum von ein paar hundert Jahren, auf lange Sicht uns selbst und anderen in eine sehr ernstzunehmende Gefahr gebracht haben und müssen nun dafür Verantwortung tragen.

Wir die immer noch abhängig von unserem einzigartigen Planeten (für den wir schon lange die Verantwortung tragen) und all den Erdverbundenen auf ihm sind haben es geschafft genau diesen unersetzbaren Lebensraum in Bedrängnis zu bringen sodass es uns nun obliegt unser Möglichstes zu tun die Klimakatastrophe zu dämpfen wenn nicht sogar zu beenden.

Cedrik Hänelt