Lebensterrain

Bruno Latour
Das terrestrische Manifest

“wovon ein Erdverbundener für sein Überleben abhängt, und sich dann zu fragen, welche anderen Erdverbundenen von ihm abhängig sind.” (Bruno Latour)

Das terrestrische Manifest befasst sich mit dem „globalen“ und „lokalen“. Sie werden als Gegensätze und Kontrahenten dargestellt. Latour plädiert dazu einen weiteren Attrator den „Terrestrischen“ ein zu führen und zu etablieren. Dieser ist weder Global noch Lokal. Es ist Offen. Auch die Einteilung in „links“ und „rechts“ ist heute nicht mehr richtig. Es vermischt sich schnell und muss so immer ein extrem „links“ oder ein „extrem rechts“ geben um zu verstehen was gemeint ist. Deshalb soll auch hier etwas anderes gefunden werden.
Das Lebensterrain von Verschieden Gruppen oder Gruppierungen wird in diesem Manifest beschrieben. Es wird wiederholt genannt, dass man sich nach Sicherheit sehnt. Egal ob das der Amerikaner ist der sich hinter seiner selbst gebauten Mauer verschanzt und so sich sicher fühlt, er hat ja anscheinend seine eigene Sicherheit und muss sich nicht mit andern auseinander setzen. Oder der Flüchtling der aus prekären Situationen entflieht. Er such Sicherheit in anderen Ländern und Lebensumfeldern. Er flieht denn er hält seine eigene Situation nicht mehr aus und hat das Versprechen von offenen Grenzen in andern Ländern und eine gute Zukunft. All dies gibt Hoffnung.
All diese Gruppen befinden sich auch in meinem Lebensterrain. Es ist ein Zusammenstoßen zwischen verschieden Gruppen die sich ganz nah oder fern befinden. Ich werde von ihnen beeinflusst egal wie weit sie weg sind oder wie nah (Orts bezogen). Die Einflüsse unterscheiden sich sicher in ihre Intensität und Auswirkung, doch sie sind alle da.
Die Wahl Donald Trumps hat in meiner Lebenswelt sowie in der von Latou einiges umgeworfen. Er beschreibt ihn als egoistischen und ignoranten Präsidenten, der nur durch die Gleichgültigkeit gegenüber Fakten seiner Wähler an die Macht kommen konnte. Dies ist für mich unverständlich wie Menschen die ihren eigene Willen und Bildung besitzen, solche Abstriche ihrer eigenen Fähigkeiten machen. Doch Latour stellt fest, dass es bei der Erkenntnis des Klimawandels und der Entscheidung diese mit viel Energie und Kraft zu bekämpfen oder der Ignoranz sehr viel einfacher ist zur Ignoranz zu tendieren. Es soll sicher keine Akzeptanz sein aber ein entgegenkommen durch sein Verständnis. Was Latour einige male erwähnt ist, dass die Welt nicht mehr zu retten ist. Diese Erkenntnis hat wohl auch eine Art Lähmung der politik einhergebracht. Dieser Stellung muss ich wehement entgegen treten. Ich sehe die vielen Möglichkeiten wie eine „gute Welt“ (Uwe Schneidewind) sein kann. Diese Positive Kämpfer Energie sehe ich tag täglich an vielen Ecken und Menschen. Es ist nicht dumm dafür zu kämpfen, denn es ist möglich. Doch die Wut die Latour verspürt und ausdrückt gegenüber Nationen oder Gruppen die durch ihre Ignoranz und destruktives Handeln die Klimakrise noch mehr provozieren kann ich gut nachvoll ziehen. Es gibt Gruppen die gerade diese negative Energie versuchen zu transportieren um für den Klimawandel in eine gute Richtung zu wenden. Doch dadurch entsteht keine Hoffnung und auch kein Wandel. Es braucht positive Veränderungen die die Menschen mit reisen. Dies kann von meiner Mutter aus geschehen die ihre Fortbewegung verändert hat oder die Initiative die Kohlekraftwerke gestoppt hat (sicher nicht alleine aber einen Anstoß gegeben hat). Es gelingt im Kleine wie im Großen und gemeinsam wird sich etwas verändern. Wie groß mein Lebensterrain ist, also wie viele Erdverbundene ich zum überleben brauche kann ich nicht klar definieren.
Wir Menschen als Erdverbundene Wesen brauchen für unsere Überleben Körperliche Bedürfnisse wie Nahrung, Sauerstoff, Schutz vor der Umwelt, Schlaf, etc.. Wenn all dies gegeben ist kommen noch weitere „Luxus“ Güter wie Verständnis, soziale Bindungen, seelische und körperliche Wertschätzung, Anregung, Spiel, Leistung und Selbstverwirklichung hinzu (Bedürfnispyramide nach Maslow). Laut Latour hat ein Erdverbundener kein Geschlecht oder Gattung. Nur alleine für die Körperlichen Bedürfnisse brauche ich in meiner Lebenssituation eine menge anderer Erdverbundene. Diese Akteure stehen laut Latour in Interessen Überlagerungen. Man muss somit herausfinden wer tut einem Gut und wer nicht. Doch Konflikte können nicht immer verhindert werden.
Ich werde von sehr vielen Faktoren als Edverbundener beeinflusst. Ebenso habe ich Einfluss auf Andere sowie die Umwelt. Mein Handeln zeigt sich im Verbrauch von Ressourcen. Diese fördern den Klimawandel in eine negative Richtung. Durch ein bewusstes und überdachtes Handeln kann ein möglichst geringer Einfluss entstehen oder ein Ausgleich erreicht werden. mein Handeln bleibt nicht unentdeckt. Mitmenschen (ich nenn sie hier so nicht nur Erdverbundene) können, müssen aber nicht, davon beeinflusst werden. Dies kann sich zu einem Art Schneeball System entwickeln. Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein Grundrecht. Diese kann instrumentalisiert werden um Denkweisen in eine Richtung zu steuern. So lese und sehe ich Zeitung, Zeitschriften, Online Einträge, Nachrichten und viele Andere Meinungswiedergabe Stücke. Diese bringen zum nachdenken, möglicherweise auch zum Handeln. Das Umfeld in dem eine Art Beeinflussung herrscht ist groß, ob gewollt oder nicht. Eine richtige Abhängigkeit von mir ist aber nur bei sehr wenigen wenn nicht bei niemandem vorhanden. Ich persönlich könnte auch ohne jemanden überleben. Dies bedeutet nicht das das schön ist, es ist aber möglich. Im Blick auf die Erderwärmung und dadurch entstehende Veränderungen wie Katastrophen etc. ist das alleinige Überleben doch schwierig. Alle die auf dem Planeten Erde leben sind im selben Bot. Keiner kann sich da ausklammern auch wenn es manche versuchen. Um die Erde zu retten benötigt es alle gemeinsam. Andererseits wird es die Erde nicht mehr lange so geben wie sie heute ist. Um ehrlich zu sein schon jetzt wenn du diesen Satz liest hat es sich verändert im Vergleich zu dem vorherigen Satz. Was das spannende ist gerade in der Zeit der Pandemie, die Erde erholt sich rasant. Die Belastung durch Industrie und Verkehr in jeglicher Form hat sich um ein vielfaches reduziert. Schon schwimmen wieder Delphine in Gewässern in denen sie schon Jahrzehnte nicht mehr zu finden waren und klären sich verdreckte Buchten. Die Natur hat sich ein Stück Regeneration zurück geholt. Sie ist einer der Größten Faktoren die mich beeinflussen.
Im Allumfassenden gedacht beeinflusst mich auch die Vergangenheit. Die meiner Vorfahren, meines Landes und meiner Welt. Laut Latour kommen die Migranten jetzt nach Europa weil wir deren Ländern früher etwas angetan haben. Es gibt also immer in Einholen und eine Reaktion auf das was geschehen ist. Ein weiteres Beispiel ist das Wahlrecht für alle (im Besondern für Frauen und Normalverdiener). Dieses war noch nicht immer so vorhanden wie ich es heute kenne. Dafür wurde gekämpft. Jetzt habe ich das Privileg dieses in Anspruch zu nehmen was vor einigen Jahrzehnten von Frauen die ich nicht kenne und nie kennen lerne erkämpft wurde.

Dein und mein Handeln hat einen Einfluss. Nutz es auch wenn du heute noch keine Auswirkung siehst.