HOMO DEUS

Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen 

Das Buch, welches ich heute vorstellen will, ist das Sachbuch „Homo Deus” von Yuval Noah Harari. Er ist 1976 in Haifa (Israel) geboren und promovierte 2002 an der Oxford University. Zurzeit lehrt er als Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem

Das Buch ist 2015 in Israel in hebräischer Sprache erschienen. Die vom Autor selbst übersetzte englische Fassung mit dem Titel Homo Deus: A Brief History of Tomorrow kam 2016 auf den Markt. Die gebundene Ausgabe enthält 576 Seiten und die ins Deutsche übersetzte Variante wird vom C.H.Beck Verlag veröffentlicht (ISBN-10: 3406704018). 

Harari hat sich in seinem Buch viel mit der Menschheit und dem Mensch sein befasst und dazu verschiedene Ereignisse, Errungenschaften und Veränderungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart analysiert. Wichtige Erkenntnisse und Rückschlüsse zieht der Autor sowohl aus großen politischen Ereignissen, wie zum Beispiel: Entstehung und Zerfall des Kommunismus, als auch von kleineren (das ist auf die Anzahl der Akteure bezogen) wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischen Meilensteinen, wie zum Beispiel die Neurologie, Biowissenschaft, Genforschung und der Forschung des Menschlichen Ichs.

Das Buch geht bei der Suche nach der Frage, wie das Morgen für uns aussehen möchte, in die Details der menschlichen Entstehung und die Entwicklung des menschlichen Empfindens und Denkens. Auch eine Vielzahl sozialer als auch politischer Thematiken werden einbezogen.

Das Werk von Harari ist in drei Teile eingeteilt, die auf eine Art Chronologie der Menschheit aufgebaut sind:

Teil I: Homo sapiens erobert die Welt, Teil II: Homo sapiens gibt der Welt einen Sinn , Teil III: Homo sapiens verliert die Kontrolle.

Dieses Prinzip vereinfacht das Verständnis über die Entwicklung des Menschen und den Stand der Gesellschaft, um dann möglichst realistische Thesen aufzustellen wo hin es gehen könnte. 

Homo Deus – Wie der Titel des Buches schon vermuten lässt, nimmt Harari nicht nur die Menschheit der Vergangenheit und der Gegenwart genauer unter die Lupe. Das eigentliche Ziel des Buches ist ein Blick auf eine oder besser gesagt auf mehrere verschiedene mögliche Zukunftsszenarien.

Homo Deus besteht aus der abgeleiteten Form von Homo Sapiens in Verbindung mit dem lateinischen Wort „Deus“ für Gott. Harari beschreibt und zeigt auf, wie eine mögliche „nächste Stufe” der Menschheit aussehen könnte.

Bauen und tüfteln wir schon jetzt an unserem neuen elektronischen Gott, der uns durch biometrische Daten, Genforschung und der Neuropsychologie besser kennt als wir uns selbst? Und der uns die Entscheidungen abnimmt und uns anführt und lenkt, für ein einfacheres, sichereres und „besseres“ Leben? 

Oder erheben wir uns selbst in eine Art göttliche Lebensform, die durch Genmanipulation schneller, stärker und auch intelligenter ist? Menschliche Götter mit photografischem Gedächtnis, Intelligenz wie Newton, Physik eines Ultramarathonläufers und dazu noch Charisma und Überzeugungskraft eines Steve Jobs. Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer wären nur ein Fremdwort, das sie von ihren 15 Doktortiteln kennen. Dies wäre natürlich nur einem wohlhabenden kleinen Kreis der Elite vorbehaltenen, oder?

Oder sind wir doch ein Teil einer gigantischen wissensverarbeitenden Maschine? Vielleicht sind wir das eigentlich schon immer gewesen, aber nun geben wir die Fackel an künstliche Intelligenzen weiter, die mehr Daten produzieren und verarbeiten.

Das sind viele Fragen, die dieses Buch anhand der vorher geführten Analyse zur Vergangenheit und Gegenwart der Menschheit in den Raum des Möglichen stellt.

Ich habe das Werk Hararis zu Anfang als ein Sachbuch bezeichnet. Dazu will ich noch etwas anmerken: Dass das Buch ein Sachbuch ist stimmt schon, denn es wird unter dieser Kategorie vermarktet und verkauft. Es wird aber dem typischen Sachbuch nicht ganz gerecht. Das Buch hat zwar auf der einen Seite viele Beispiele, die alle mit einem analytischen und empirischen Hintergrund dargestellt werden, aber auf der anderen Seite hat das Sachbuch einen Leitfaden bzw. Erzählrhythmus der an eine klassische Odyssee erinnert. Eine Odyssee in die Zukunft der Menschheit. Und trotz wissenschaftlichen Inhalts, ist die Erzählweise nahe eines Heldenepos: Homo Sapiens auf den Weg zur Göttlichkeit. Dies passt, wie ich finde, sehr gut zusammen.

Man sollte vielleicht das Wort „Zukunft“ hier etwas spezifizieren. Harari gibt nicht einen Ausblick in das was in den nächsten 5 – 10 Jahren geschehen wird, sondern in das was mit der Menschheit in den nächsten 50-200 Jahre passieren könnte.

Wie sieht der Mensch von Morgen aus?

Wie sieht die Menschheit von morgen aus?

Was ist der Sinn des Menschen von Morgen?

Oder zuletzt: Gibt es noch Menschen in diesem „Morgen“?

Ich finde das Werk enthält faszinierende Ansätze, Ideen und Überlegungen. Die, wie kitschig das jetzt auch klingen mag, in vielen Bereichen meinen Horizont erweitert haben, über mich, mein Leben, die Gesellschaft und natürlich über unsere Zukunft. 

Besonders Aspekte, wie das Wesen des Menschen, das Ich und auch der Sinn der Menschheit, haben mich sehr fasziniert.

Als Fazit würde ich das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Es ist zwar etwas lang, aber ist nicht nur sehr bildend und regt zum Nachdenken an, sondern es ist auch wunderbar verständlich geschrieben.