Die große Transformation

Die große Transformation
Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels
von Uwe Schneidewind

In diesem Buch von Uwe Schneidewind wird die Frage nach dem „guten Leben“ gestellt. Wie dieses aussieht und wie es nachhaltig erlangt und erhalten wird.
Der Autor ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globaler Umweltveränderung (WBGU). Er war Präsident des Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie und Professor für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit an der Bergischen Universität Wuppertal. Ebenso ist er Mitglied im Club of Rome. Er kandidiert im Moment für die Bürgermeiser Wahl in Wuppertal.

Das Buch befasst sich mit den drei großen Themen; Nachhaltigkeit als kulturelles Projekt, Sieben Wenden für die große Transformation und Transformation in geteilter Verantwortung.
Zu Beginn wird festgestellt, dass es eine „große Transformation“ unsere Welt geben muss. Diese muss in den Bereichen der Ökologie, Technologie, Ökonomie, Institution und Kultur geschehen. Deren Zusammenhänge müssen verstanden werden. Es wird oft betont, dass Zukunft mitgestaltbar ist. Das Ziel dieser Transformation ist das
„gute Leben“. Dies ist von den Vereinten Nationen in „17 Nachhaltigkeitszielen“ festgehalten.
Dafür benötigt es eine Moralische Revolution. Im Moment befinden wir uns in der Diskussion über den Klimawandel in Phase 3. Nach Ignoranz und Anerkennung des Problems ohne einen persönlichen Bezug zu besitzen, haben wir nun einen persönlichen Bezug zu dem Problem. Nun steht der nächste Schritt, das Handeln an (Phasen nach Kwame Anthony Appiah).
Das Schlüsselkonzept dieses Buches ist die „Zukunftskunst“. Diese versteht die Kompetenz des Zusammenspiels von ökologischer, technologischer, ökonomischer, politischer, institutioneller und kultureller Dynamik.
Ebenso ist die „Doppelte Entkoppelung“ ein Schlüsselkonzept. Diese meint eine Kombination aus technologischen Effizienzsteigerung und neuen Wohlstandsmodellen.
Die Klimaherausforderung ist eine soziale und gerechtigkeits Frage. Das Bruttoinlandsprodukt sagt schon länger nicht mehr darüber aus wie gut es den Menschen geht. Das „gute Leben“ ist entkoppelt davon. Somit muss sich auf ein neues Wohlstandverständnis eingelassen werden.
Die globale kapitalistische Wirtschaftsordnung und die Bekämpfung des Klimawandels sind grundsätzlich nicht vereinbar. Kapitalismus schafft eine immer größer werdende Schlucht zwischen arm und reich.
Ein Zukunftsfähiges Wirtschaftssystem sollte als evolutionäres Such- und Experimentierprogramm verstanden werden. Veränderung wird durch viele kleine Schritte ausgelöst. Es braucht eine Reformation und keine Revolution. Sollte technologieoffen beschritten werden. Ebenso mit einer Ideologiefreiheit.
All diese Entwicklungen sollen den Bedürfnissen der heutigen Generation entsprechen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden.

Die ökologische Gefahr liegt heute nicht in der Verebbung von bestimmten Rohstoffen sondern in der Störung grundlegender Erdsystemprozesse. Somit kommt es zu Instabilität die zur Gefährdung des Ökosystems führt.
Das politische Ziel der 2 Grad Reform ist der Orientierungspunkt. In Deutschland geht der Ausbau erneuerbarer Energie voran, der Klimaschutz bleibt jedoch zurück. Zu einer erfolgreichen Dekarbonisierung gehört der Ausbau erneuerbarer Energien, neue Technologien, Verbesserung der Energieeffizienz sowie neue Nutzer- und Verbrauchsmuster zusammen. Dafür ist eine heutige notwendige Investition in einen umfassenden klimagerechten Umbau unseres Wirtschaftssystems günstiger wie die Folgekosten eines unterlassenen Klimaschutzes. Maßnahmen müssen hinterfragt werden.
Diese können negative Auswirkung haben. Um zu beurteilen was welche Auswirkung hat gibt es verschieden Methoden. Bekannt ist der ökologische Fußabdruck. Umfassender ist der „ökologische Fußabdruck“. Dieser bezieht die Menge an der Natur und Ressourcen die für die Erbringung einer Dienstleistung genutzt wird.
Um das 2 Grad Ziel zu erreichten darf jeder Mensch jährlich einen CO2 Ausstoß von maximal 2 Tonnen nicht überschreiten. Im Moment liegt dieser bei durchschnittlich rund 9 Tonnen. Der Pro-Kopf-Ressourcen Verbrauch sollte bei 8 anstelle 30 Tonnen im Jahr liegen. Zu diesen Zielen kommen wir durch Suffizienz (Leistungsfähigkeit), Konsistenz und Effizienz. Dies heißt jeder einzelne Bürger, die Politik und Unternehmen müssen konsequent daran arbeiten.

Um diese Ziele zu erreichen benötigt es sieben Wenden.
Zu erst die Wohlstands und Konsumwende. In dieser müssen 1. Grundbedürfnisse von Menschen Weltweit gewährleistet werden und 2. die Befriedigung dieser Bedürfnisse die planetaren Grenzen unseres Globus nicht überschreiten.
Dies nennt sich „One-Planet-Lifestyle“. Um dies zu erreichen müssen Strukturen statt Menschen verändert werden.
Die zweite Wende soll eine Energiewende sein. Diese darf sich nicht nur auf eine „Stromwende“ reduzieren. Netzdesign, Speicherkapazitäten, Laststeuerung und geeignete Sektorkoppelungen müssen weiter entwickelt werden. Die Umsetzung hängt vor allem von der politischen Konsequenz ab.
Der Dritte Schritt eine Ressourcenwende. Die Idee ist eine Kreislaufwirtschft. Von dieser sind wir noch sehr weit entfernt. Dies bedeutet einen gewonnenen (Roh-) Stoff immer wieder im Kreislauf zu führen. Dieser Kreislauf beginnt bei dem Produktdesign. Es geht nicht darum die Abfälle sicher zu entsorgen stattdessen den Gesamtressourcenbedarf zu reduzieren.
Die Mobilitäswende verlangt eine Kombination von Verkehrsverringerung, Verlagerung auf ökologisch und sozial verträglichere Verkehrssysteme, Effizienzsteigerung und Umstellung der Antriebe auf Kraftstoffe aus regenerativen Energien.
Eine weitere tief in unsere Kulturen eingebettete Praxis ist die Ernährung. Auch diese muss reformiert werden. Eine steigende Klimabelastung entsteht durch fleischintensive Ernährung, wachsende Grundwasserbelastung, Gefahr durch Antibiotikaresistenz, Rückgang der Artenvielfalt und globale Transportstöme. Ein kultureller Wandle in der Ernährungsgewohnheit muss einhergehen mit wachsenden Angeboten.
Rund 80% der Menschen werden 2050 in Städten leben. Auch hier benötigt es eine Wende. Städte bringen Probleme und Innovationen. Kräfte dieses Transformationsprozesses sind „Zeit, Macht und Not“. Um Städte in eine nachhaltige Richtung zu bringen braucht die Stadt der Zukunft eine institutionelle Experimentierkultur und Zukunfstbilder die inspirieren sowie das Engagement der Zivilgesellschaft.
Die Industrielle Wende hat das Ziel ein Maximum an Wertschöpfung und Wohlstand auf einer stofflichen und energetischen Basis zu erzeugen, die die planetaren Grenzen berücksichtig.

Herausforderungen um ein „gutes Leben“ für alle zu gestalten wurden nun genannt. Nun werden verschiedene Akteure angeschaut.
Die Zivilgesellschaften schafft ein Bewusstsein für die Probleme. Sie fungieren in einer „Mahner“ Funktion. Auch die „Mittler-„ und „Motor-“ Funktion nehmen sie an. Verschiede Gruppen der Gesellschaft nehmen einzelne oder mehrer Funktionen an. Umweltverbände haben eine Mahner- und Wiederstandsfunktion. Ein weiterer Akteur sind Weltreligionen. Sie haben meist einen zutiefst humanistischen Wertekanon, es gilt meist Immaterielles mehr als Materielles, Gerechtigkeit, Bescheidenheit und Brüderlichkeit sind das Zentrum und jede Veränderung der äußeren Welt ist von einer innern Veränderung getragen. Sie nehmen meist die Mittler- sowie Mahnerfunktion an.
Gewerkschaften besitzen einen festen institutionalisierten Status. Dies kann zu einer Motor-Funktion schaffen.
Die Politik scheint als machtvoller Akteur nicht viel getan zu haben oder sogar gegen Nachhaltigkeit zu spielen (USA). Dabei gibt es unterschiedliche Dimensionen in der Politik. Die inhaltliche Dimension, die institutionelle Dimension, den konkreten Politik-Prozess. Ohne die Politik ist eine große Transformation nicht möglich.
Auch ohne Unternehmen ist dies nicht möglich. Die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmen steht ein Perspektivwechsel und deren Umsetzung.
Die Wissenschaften als Akteure dürfen sich nicht nur auf Fakten reduzieren, sie sollen Möglichkeitswissenschaften werden. Gerade Universitäten und Hochschulen bilden das Rückgrat der Wissenschaft.
All diese Akteure sollen auf einer experimentellen Ebene agieren. Sie sollen sich an alternativen Wohlstands- und Entwicklungsvorstellungen orientieren. Gesellschaftliche, organisationale und individuelle Transformationen gehen Hand in Hand. Konsumenten kann es nicht alleine zugetraut werden alleine eine Wende zu schaffen, sie sind aber wichtig, vor allem „Pioniere“.
Am Ende beginnt die Große Transformation mit dem Engagement des Einzelnen.