Der Versuch einer Verortung der Johanna Kurz in einer Terrestrischen Welt

Dem Beispiel Bruno Latours folgend möchte ich mich vorstellen: Mein Name ist Johanna Kurz, ich bin 20 Jahre alt, gehöre also zur Gruppe der Millenials. Rein geographisch betrachtet (im Kontext des terrestrischen von „klein nach groß“, wobei das doch auch eher in der Form der Globalisierung erscheint? Also von „lokal nach global“? Im Gegensatz zu von „groß nach klein“ wie es Sitte ist, aber die unnatürliche Betrachtung von Sirius aus im Manifest durchaus verschmäht ist?)  befinde ich mich in Urbach, im Remstal (bei Stuttgart), in Baden-Württemberg, in Deutschland, naja usw. Wobei übrigens bewiesen wäre, dass ich mindestens genauso gut Schachtelsätze bilden kann, wie lesen! Im Folgenden versuche ich, die in Bruno Latours Buch gestellten Fragen an den Leser aus meiner Perspektive zu beantworten.

Die Frage meiner biologischen Herkunft, auf gut schwäbisch, wo stammsch du naus? Ist schnell beantwortet. Mütterlicherseits aus einer Handwerksfamilie, die schon immer in meinem Dorf gewohnt hat, väterlicherseits aus einer Hutmacher zu Banker Familie, die aus Stuttgart kommt. Mit dieser verbindet mich nicht viel, zumal das auch lange nicht mein Wohnort war. Ich erkenne mich im Lebenslauf meiner Mutter wieder, die ungefähr den selben Werdegang beschrieben hat wie ich. Dennoch, wenn sie von ihrer Kindheit erzählt, oder ich auf Eigenschaften von ihr schaue, die sie auf Grund ihrer Vergangenheit erlangt hat, besitze ich diese Eigenschaften, wenn dann nur geringfügig. Ihre Geschichten sind eben Geschichten, die ich mir Vorstelle wie ein Astrid-Lindgren-Buch.

Also, kenn ich mich in meinen Vorfahren wieder? In Teilen vielleicht, ganz sicher unter Handwerkern, dort komme ich bestens zurecht.

Werde ich Nachfahren haben? Nein, aber mein Alter betrachtend kann sich diese Meinung vieleicht noch ändern.

Anhand der Abbildung 1 und Abbildung 2 befinde ich mich auf dem Spektrum von rechts nach links in der Mitte, somit in der Mitte der Mitte. Ich genieße die Vorteile der Plus-Globalisierung über das Internet, als auch über den persönlichen Austausch auf Reisen, welche ich dank meiner Eltern, die Ihr Einkommen aus den Vorzügen der Minus-Globalisierung erwirtschaften konnten, erlebt habe. Gleichzeitig bin ich in einer überschaubaren Dorfgemeinschaft verwurzelt und beziehe meine lebensnotwendigen Ressourcen vornehmlich aus der Region.

Für den Glauben an das Außererdige (alles ist gut und wird gut werden) besitze ich leider zu viel Menschenverstand und Intelligenz, als das dieser für mich in Frage kommt. Jedoch verstehe ich seine Anziehungskraft, die Sicherheit verspricht, und eine Zukunft ohne große Veränderung propagiert. In dieser Scheinwelt überlässt man Handeln und Denken über die globalen Probleme und deren Zukunft Anderen.  (Abbildung3)

Corona Bedingt sind wir im Moment sowieso an einem Punkt angelangt, wo die Vorteile der Globalisierung auf den Prüfstand gestellt werden. Wenn Experten aus dem Bereich der Finanzwirtschaft bereits zugeben, dass das Globalisierungsbestreben in dieser Form gescheitert ist, und der Ausdruck dieses Scheiterns wie bereits bei Latour beschrieben, offensichtlich ist (Schere zwischen Arm und Reich, Migrationsbewegungen, Abschottung,…), dann zeigt das Hoffnung auf Änderung. Jedoch befürchte ich, dass die Verknüpfung der oben genannten Auswirkungen und der bis jetzt noch getrennt behandelte Klimafrage nicht als eine Einheit gesehen wird, und nur die Symptome behandelt werden. Auch ich tue mich schwer, mir diese von Latour beschriebene Veränderung vorzustellen und mir dafür ein entsprechendes Modell zu denken. Die Notwendigkeit diesen Weg einzuschlagen ist unbestritten. Allerding ist es eine Sache, Strom zu sparen und nachhaltig einzukaufen, und einen andere, eine Lösung für die ganze Welt auszudenken. Ich bin verwirrt.  (Abbildung 4)

„Die Erdverbundenen stehen tatsächlich vor dem sehr heiklen Problem herauszufinden, wie viel andere Wesensie zum Überleben benötigen. Indem sie deren Liste erstellen, entwerfen sie ihr Lebensterrain (…).“ Zitat aus „Das terrestrische Manifest“, Bruno Latour

Gemäß obigem Zitat bestimme ich mein Lebensterrain anhand einiger großen Überbegriffe, da alles aufzuzählen meine Kompetenzen sowie diesen Aufsatz sprengt:

  • Meine Eltern: Ohne sie wäre ich nicht auf der Welt. Moralisch für Gefühle und aber auch Erziehung: Verhaltensnormen in der Zeit der Globalisierung, Überlebensmethoden, sagen wir in der Steinzeit. Sowohl Finanziell als auch gesellschaftlich befinde ich mich in Abhängigkeit zu meinen Eltern als auch deren Abhängigkeiten.
  • Freunde: als Netzwerk, Meinungsaustausch eine Art zu Hause, auf eine Art
  • Gleichgesandte und Mitfechter/Mitstreiter im Leben.
  • Von dem Kollektiv meiner Gemeinde.
  • Grundversorgung: oje…
    • Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken, fruchtbarer Boden um mich zu ernähren, kurz ein Intaktes Ökosystem.
    • Abwassersystem
    • Bildungssystem (vor allem in der Globalen Welt, aber auch ohne Globalisierung muss Wissen an die Nächste Generation weitergegeben werden) und daraus resultierende Dienstleister wie Ärzte, Apotheker, etc
    • Produzenten, die für mich aus Pflanzen und Tieren Lebensmittel herstellen und Mannigfaltige Waren wie Nägel, Kleidung, Baustoffe produzieren.
    • Händler, um Waren zu verteilen.

Diese Auflistung hat mir gezeigt, wie das Wichtigste was ich brauche, doch direkt aus „Mutter Natur“ kommt.

„Jedes Wesen, das einen Bestandteil eines Lebensterrains bildet, besitzt seine ihm eigene Weise, um zu orten, was lokal und was global ist, und um seine Verschränkung mit den anderen zu bestimmen.“ Zitat aus „Das terrestrische Manifest“, Bruno Latour

Global ist alles was nicht in meinen Kulturbereichs integriert ist. Alles was sich nicht in meinem Lebensumfeld befindet, geographisch wie kulturell. Das Globale ist fern, manchmal abstrakt. Das Lokale hingegen ist  fassbar und konkret. Es gibt mir Sicherheit und Vertrauen, und eine Basis aus der ich das Globale für mich nutzen kann. So bin ich wie Bruno Latour es beschreibt zwar „gleichzeitig welthaft und doch an einen Boden gebunden“. Die Vorstellung mein sehr bequemes Leben zu verlassen fällt mir jedoch schwer, und ich hoffe, dass es möglich sein wird, ein wirtschaftlich auskömmliches Leben zu führen und gleichzeitig unseren Planeten zu erhalten.

Eine Befreiung von der Ökonomisierung kann ich mir sehr schwer vorstellen. Wenn es ein System gäbe in dem alle Wesen das Beste ermöglicht wird (und nicht weniger!), vor Allem in Betracht auf Gesundheitssysteme, Bildung und (Über-)Lebensumstände, sodass der Selbsterhaltungstrieb einzelner Menschen überflüssig würde, dann würde ich so etwas wie Erspartes ja nicht mehr brauchen und dies könnte neu verteilt werden. Es bestünde keine Notwendigkeit um sein Überleben zu kämpfen und jede lebt in Sicherheit für sich und seine Nachfahren.  

Politik überließ ich eigentlich gerne Anderen. Ich hatte in meiner Jugend ausreichend Nähe zu politischer Aktivität, als das mich diese besonders gereizt hätte.

Als erwachsener Mensch (der wählen darf) mit entsprechendem Umfeld, komme ich nicht umher mich doch aktiv mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Deshalb freue ich mich ganz besonders auf anregende Diskussionen in diesem Entwurf.