Beschreibung meines Lebensterrians (auf Grundlage des terrestrischen Manifests)

Ich hab das Privileg in Deutschland, genauer im Ländle im Süden Deutschlands bei Stuttgart, zu leben, umgeben von Weinbergen und einem Naturschutzgebiet. Außerdem bin ich privilegiert mir Gedanken um Themen zu machen die im Buch „Das terrestrische Manifest“ von Bruno Latour behandelt werden. 

In dem Buch spricht er gegen Ende des Manifests die gegenseitigen Abhängigkeiten von „Erdverbundenen“ zueinander an im Kontext eines Erzeugerprozesses, das im Gegensatz/Widerspruch zum gegenwärtigen Produktionsprozess steht. Bezeichnend ist, wie im Buch erwähnt, dass der Erzeugungsprozess nicht zwingend menschen-notwendig ist bzw. die Menschen nicht die einzigen Akteure in diesem System sein können. In diesem Zusammenhang bringt er den Begriff von „Erdverbundenen“ ins Spiel womit er neben Menschen jegliche Lebewesen meint da der Begriff kein Geschlecht hat und nicht zu irgendeiner Rasse zuzuordnenden ist. 

Im Folgenden versuche ich die Abhängigkeiten der „Erdverbunden“ in meiner unmittelbaren Nähe zu bestimmen und ausgehend davon die zentralen und peripheren Akteure zu bestimmen. Ferner möchte ich erwähnen, welche Elemente er bereit ist zu verteidigen. Dafür wäre es für mich sinnvoll die „Erdverbundenen“ in Dorfbewohnern, Flora und Fauna zu unterteilen. Ausgehend davon möchte ich den Lebensterrain der Dorfbewohner soweit radikal und rational sowie geo-politisch gedacht verändern damit die drei Elemente in Synthese koexistieren können sowie die kapitalistische Flucht in die nächste Ebene der Modernisierung diplomatisch und rechtsstaatlich verhindert wird. (weiter gedacht könnte man zwischenbürgerliche Beziehungen wie Respekt und Solidarität erwähnen, bei der jeder Bewohner dennoch souverän ist) Das kann soweit gehen, dass ich gar die Rolle der Autos in der Infrastruktur hinterfrage, den ganzen Wohlstand den wir in der Architektur genießen wie z.B. ausreichend Beton zur Verfügung zu haben sowie die gebräuchlichen elektronischen Mobiltelemedien. 

Mit Dorfbewohnern meine ich Familien, die ihr eigenes Stück Land besitzen, worauf sie meistens Häuser mit Garten bauen lassen, Haustiere und Kinder, die mit ihnen leben und in der Regel ihren Auslauf und somit ihre Bindung zur „Natur“ brauchen, und die Menschen die im Dorf arbeiten, viel Zeit ihres Lebens dort verbringen und somit auch zu den Dorfbewohnern gezählt werden dürfen, jedoch eine zusätzliche Last tragen da sie an PKWs „gebunden“ sind. 

Der Dorfbewohner als Akteur ist von einem Faktor maßgebend abhängig und zwar dem Boden. Der Boden, auf dem sie ihre Häuser, Supermärkte, Schulen, Arbeitsplätze jeglicher Art bauen bevor sie darauf anfangen ihre Zeit zu verbringen. Der Boden, aus dem viele Abhängigkeiten erst entstehen, ist selber abhängig von idealen Bedingungen damit dieser für die Benutzung tragfähig ist, keine ungünstigen Bedingungen erfährt wie Bodenerosionen oder in seismisch aktiven Zonen. 

An der Stelle kommt zudem die Flora und Fauna ins Spiel, die z.B. mit ihren Würmern den Boden ausreichend belüftet oder den Pflanzen und Gräsern die in einem gesunden Kreislauf die Mineralstoffe entzieht und in ständigem Stoffwechsel steht. Es ist wichtig zu erwähnen dass dieses kostbare Gut nicht zu sehr vermindert werden darf in dem man jeden Quadratmeter bebaut und irreversibel versiegelt wie in den meisten Supermarkt Parkplätzen. (Bestimmt kann man die Infrastruktur anders denken um dieses Dilemma zu entschärfen) 

Unbestreitbar ist, dass jeder Erdverbundene, die Dorfbewohner sowie die Flora und Fauna, auf jeden Fall bereit ist seinen Boden zu verteidigen der ihnen Schutz und Geborgenheit verspricht. Für Menschen, die mittlerweile überall Zuflucht finden können, und für Tiere mit ihren Unterschlüpfen und Nestern sowie Pflanzen und Bäumen worauf sich meistens Zufluchtsorte für sie befinden. Dieses Ökosystem ist lokal gedacht wichtig für unsere Aufenthaltsqualität, welches man nicht bebauen sollte. 

Hier erkennt man wie sich die Interessen und Zufluchtsorte überschneiden aber alle haben es gemeinsam, dass sie solche Orte zum Überleben brauchen. Kritisch wird es an dem Punkt wenn der Mensch sich über die Erdverbundenen stellt und beginnt den kostbaren Raum der Flora und Fauna zu bebauen oder sie allein schon mit Lärm zu belästigen. In der Denkweise des Produktionsprozesses macht sowas tatsächlich Sinn, weswegen sie erst neulich im anfangs erwähnten Naturschutzgebiet einen Parkplatz gebaut haben, den ich ironischerweise nie voller Autos gesehen habe. Es ist nicht verwunderlich, dass eine Reaktion seitens der Tiere kommt und Ferner auch von der „Erde“.

Wie erwähnt entsteht aus dem Element Boden die weitere Abhängigkeit wie z.B. Einkaufsläden, die in fast jeder Ortschaft zu finden sind und von denen die Dorfbewohner abhängig sind. In denen werden Lebensmittel verkauft die meistens Lokal hergestellt werden/können, die ohne die Hilfe und Abhängigkeit des Bodens und der Flora und Fauna nicht denkbar wären. 

Der Gemüseanbau, die Flora, von der unsere Lebensmittelversorgung abhängt entsteht auf gesundem Boden und meist auch durch Hilfe der Fauna. Obst wäre beispielsweise undenkbar ohne die Bestäubung der Blüten durch die Bienen. Also kann man behaupten dass die Menschen u.a. von den Bienen abhängen wenn man die Obstbauern aus China betrachtet die umständlich von Hand die Blüten bestäuben müssen. Die Bienen wiederum hängen von den zu bestäubenden Pflanzen ab da sie zum einen Nährstoffe für sie spenden und gleichzeitig Zufluchtsort für die Tiere sind, da sie meistens ihre Bienenstöcke auf Bäumen bauen oder wie in den anfangs erwähnten Weinbergen die menschen-gebauten Bienenstöcke. (Ferner sind Tiere von anderen abhängig wie z.B. der Wolf der im Wald auf Jagd geht und hofft Beute zu finden um sich zu ernähren) 

Daraus folgt dass das Ökosystem mittlerweile von dem Handeln des Menschen abhängig ist, und es nun unsere Entscheidung ist in wie weit wir in die unberührten Ökosysteme eingreifen möchten und z.B. Böden mit Asphalt versiegeln wollen. Um zu solchen Einkaufsläden zu gelangen ist eine gute Infrastruktur notwendig. In Zeiten wie diesen ist sowas übrigens digital möglich, wobei einem das Essen bis vor die Haustür geliefert wird. Neben der digitalen Infrastruktur mit ihren Strommasten usw. ist Personenverkehr umso ausgeprägter und alltäglicher in der heutigen Gesellschaft. (Ohne vorab die schönen regionalen Produkte wie KÄRCHER, STIHL und AMG zu entwerten) 

Die Fahrzeuge hängen von einem gut ausgelegten Straßennetz ab, womit man jeden Winkel einer Ortschaft erreichen kann, was auch so manche Widersprüche mit sich ziehen. Ein gutes Straßennetz ist für unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Lebensmittelversorgung ein wichtiges Element um das Leben, was wir momentan leben, zu ermöglichen. Dieses steht im Widerspruch zur Flora und Fauna, die darunter leidet. 

Zum einen weil ihnen Lebensraum genommen wird und ihrem Ökosystem geschadet wird, die CO2 Ausscheidung indirekt weitere Belastungen mit sich bringt und ein Teil der wilden Tiere an Autounfällen sterben. Dabei ist es letztendlich für die Dorfbewohner ein Nachteil, da sie nicht nur von der Flora und Fauna abhängen sondern auch davon profitieren. Da sollte man sich fragen, ob es sich lohnt für die vielen Straßen zu kämpfen, die uns auch in dem Stand vor 10 Jahren immer noch an dem selben Ort gebracht hätten. (und mit den älteren Generationen der Mercedes- Autos nur in geringerer Stückzahl)

Wie angesprochen beanspruchen Autos und sonstige Vehikel viel Platz im Stadtraum. Man stelle sich vor wie ein Dorf aussehen würde, gäbe es dort keine Straßen oder wenn dann nur die für uns wichtigen Hauptstraßen die die Versorgung ermöglichen von der wir abhängen. Ansonsten bleibt abzuwägen wie sehr wir von den asphaltierten Zwischengassen, Garagen und sonstigen abhängen oder doch lieber eine große und weite Wiesenlandschaft haben möchten, die direkt in unseren Vorgarten übergeht und unsere Aufenthaltsqualität verbessert. An der Stelle kann man suffizient an die Sache rangehen und sich ausmalen was für Vorteile es bringt, von der Senkung des Lärmpegels bis zu sauberer Luft.

Global gedacht macht so eine erläuterte Darstellung erst Sinn, da sie anstrebt, die globalen und riesigen Klassenunterschiede aufeinander anzupassen und den Erzeugungsprozess, im kleinen wie im großen, fördert um ferner Synthese zu schaffen für eine Gesellschaft, in der jeder sein kostbares Gut, den Boden, frei zur Erzeugung nutzen darf und kann. Philosophisch gesehen erreicht man hoffentlich, ganz naiv und vereinfacht formuliert, selbige Beziehungen wie die von den erwähnten Nachbarn indem man stets mit Respekt und Solidarität handelt, jeder Akteur für sich jedoch souverän ist. Sollte dies gegeben sein dann redet man nicht mehr über Rassismus. (Vielleicht war der Sieg über den Kommunismus sowie der mutierte Kapitalismus notwendig um die Erde als zusätzlichen Akteur miteinzubeziehen)

Die Abhängigkeiten kann man ganz gut auflisten und benutzen um im Lokalen wie in meiner Ortschaft oder in Zentralafrika und im Globalen wie in der weltlichen Politik aufwändig durch- deklinieren um somit optimale Aufenthaltsqualitäten zu erschaffen. (Das erneut naiv und vereinfacht formuliert, es ist jedoch zweifelhaft, ob es zu Genoziden kommen kann) 

Die Kernbotschaft ist, dass mit dem Gedankenspiel der Abhängigkeit Akteure in Synthese gesetzt werden können und dass dieses System für Zeiten wie diese geeignet ist und Anwendung  im großen wie im ganz kleinen Maßstab findet.