Alles könnte anders sein (eine Zusammenfassung des gleichnamigen Buches von Harald Welzer)

Die Gesellschafts-Utopie von Professor Harald Welzer ist ein positiv bedachtes Buch worin er eine konkret formulierte Utopie erläutert und zeigt wie man sie in der heutigen Gesellschaft umsetzen kann. 

Das Buch beginnt mit seinem Erlebnis bei einer Flussfahrt auf der Havel. Er beschreibt wie die Nebenflüsse und Überschwemmungszonen an einem Knotenpunkt in der Havel renaturiert werden. An Bord tauschte sich der Autor u.a. mit dem Leiter des Renaturierungsprojekts aus und erfuhr, dass dieses Projekt das größte seiner Art in Europa sei. Der Hintergrund ist, dass der Projektleiter selber in der Gegend aufgewachsen ist und als Zwölfjähriger mit seinem Großvater viel Zeit dort verbrachte. Zur Zeit der DDR wurde der Fluss industriell genutzt und so änderte sich der Zustand des Flusses ins Negative. Mit dem Fluss nahm u.a. sein Großvater an Gesundheit ab, sodass der Junge ihm versprach diesen Fluss wieder schön für ihn zu machen. Zu der damaligen Zeit war dieses Versprechen vollkommen unrealistisch und nicht umsetzbar doch nach Verlauf der Jahrzehnte konnte der einstige Junge, nun in seinen Vierzigern, sein Wort halten. 

Ausgehend von diesem Beispiel will der Autor uns verdeutlichen, dass man nicht darauf warten soll bis was von „Oben“ oder von höheren Instanzen passiert, sondern dass man auch als Individuum und mit der nötigen Motivation seine nähere Umgebung verändern kann. Harald Welzer betont die kleinen Veränderungen in dem Lebensraum die als Summe einiges bis alles verändern (daher auch der Titel: Alles könnte anders sein; er will mit kleinen Verbesserungen in unserem Alltag alles anders gestalten)

Um so etwas zu erreichen werden im Buch praktische Umsetzungen vorgeschlagen die für jeden anwendbar sind. Die Motivation dahinter ist, dass unsere Handlungsmöglichkeiten größer sind wie nie zuvor in einer Gesellschaft wo Konsummöglichkeiten brutal expandieren. Den Menschen geht es allgemein besser den je (zumal im Buch ausführlich beschrieben wird wie die Gewalt in unserem Alltag abgenommen hat und schon zur Ausnahme wurde). Das Paradoxon ist jedoch, dass die Menschen, denen es so gut geht, auch mehr Probleme zu beklagen haben, obwohl sie aus der Sicht von vor hundert Jahren in einer Utopie leben. Außerdem wird behandelt, wie die Jugend mittlerweile aufgehört hat zu träumen und wie die Welt anders aussehen könnte ohne sich auszumalen wie schlimm die Zeit wird und es besser ist die jetzige Situation zu bewahren. 

Der Autor erwähnte abseits des Buches, dass das sein schwierigstes war, da er, statt die gegenwärtige Situation zu kritisieren, seine eigene Utopie formuliert und dies anspruchsvoller ist als die Opposition zu sein. Generell will er sich von negativen Formulierungen und Informationen befreien, da sie kein positives Handeln fördern.

Die Gesellschaft befinde sich, so Welzer, in einem Prozess der Entzivilisierung, was erkennbar ist durch die Tatsache, dass eine verstärkte Überwachung und Bau der Grenzen stattfindet. Nicht weniger wichtig ist der Einwand, dass die Parteien hierzulande im Parlament keine Zukunft zusammen planen können und die ganze Situation sehr einer Desorientierung gleicht. 

Dabei sieht der Autor die Bausteine für ein zivilisatorisches Projekt gegeben („nicht alles ist schlecht im Kapitalismus“) man sollte die „LEGO“-Bausteine nur anders und richtig anordnen um seine Utopie zu schaffen. Seine 17 Bausteine die u.a. die Wirtschaft, Autonomie, Nachhaltigkeit sowie Gerechtigkeit, Gemeinwohl wie Mobilität bis zu Zeit und Sinn beinhalten, führen, mit praktischen Beispielen und gesellschaftlichen Erkenntnissen aus Experimenten, deutlich vor Augen wie seine Utopie aussieht, wie sich die Menschen fühlen und wie sie miteinander umgehen. 

Dafür interpretiert er die Errungenschaften des Kapitalismus neu. Z.B. kann uns die Digitalisierung helfen wenn man sie richtig einsetzt und nicht die Absicht hat die Nutzer abzuhören und mit den Informationen Geld zu verdienen. Das wäre ein Beispiel für die eben genannte Entzivilisierung. Es ist so viel mehr möglich mit den heutigen Mitteln über unsere Bedürfnisse hinaus zu leben, stattdessen leben wir durch Ausbeutung und langer Wertschöpfungsketten über den Bedürfnisse der Entwicklungsländer. 

Möglich sieht der Autor die Utopie einer autofreien Stadt wie sie schon in manchen Städten, u.a. Kopenhagen, Realität wird. Er sieht Potenzial in dieser Stadt ohne Autos aus dem Grund da sie viel Platz verbrauchen. Für die parkenden sowie fahrenden Autos ist es selbstverständlich, dass ihnen Straßen und Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. In Städten wie München und Stuttgart wird das zum Problem, da die Mietpreise sehr hoch sind und auf diesem teueren Boden viel Platz für Autos verwendet wird. Hochgerechnet beanspruchen Autos in München 12,5 % der Stadtfläche. In einer Stadt ohne Autos wäre viel mehr Platz und sicherer Raum, wo es zu keinen Unfällen kommen sollte sowie die verminderte Verschmutzung der Luft. 

Für Welzer ist es wichtig dass die Utopie von Vor-machern formuliert wird und nicht von Vor-denkern. Zum einen wegen der erwähnten großen Handlungsmöglichkeit heutzutage und zum anderen um die Gesellschaftsutopie erfahrbarer zu machen. Die autofreie Stadt Kopenhagen sollte eine Inspiration für andere Kommunen und Städte sein und sie sollte ihnen zeigen, dass sowas sehr wohl denk- und umsetzbar ist und dass sich die Aufenthaltsqualitäten verbessern werden. Diese Vorgehensweise will er auf verschiedenen Ebenen umsetzen, mit kleinen Veränderungen, die jeder in seinem Alltag umsetzen kann und seinen Beitrag leistet. (Er warnt an der Stelle vor großen Utopien die feste Regeln aufstellen und die ferner Todesfälle mit sich bringen)

Außerdem will Welzer in seiner Utopie ein freundliches Miteinander unter den Menschen einer Gesellschaft und fordert deswegen die kostbare Ressource, die ehrenamtliche Arbeit, zu fördern und in unserem Alltag mit einzubauen. Immerhin engagieren sich 20-30% der Deutschen in ehrenamtliche Arbeit und damit verspricht er sich die voneinander gesellschaftlich getrennten Schichten in Kontakt treten zu lassen, damit sie auch miteinander kooperieren und gesellschaftliche Bilder zu vermieden. Dafür erläutert er die 80-20 Regel: In der arbeiten die Menschen 80% ihrer Arbeitszeit und die anderen 20% werden für ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeit verwendet. Da nicht alle Menschen Zeit und Geld für ehrenamtliches Arbeiten haben schlägt er vor, damit alle daran teilnehmen können, auch diese bezahlen zu lassen. Ferner erwähnt Welzer dass 16 Stunden Arbeitswochen möglich seien.

Das Buch von Harald Welzer ruft zusammenfassend formuliert dazu auf unrealistisch zu sein und um Möglichkeiten hervorzurufen, die heutzutage undenkbar wären jedoch nach der Realisierung nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken sind. (Und man sich im Nachhinein fragt wie „blöd“ man davor gewesen ist) Genau diesen Effekt will er damit erreichen und es ist ihm auch gut gelungen. Das Buch bietet praktische Tips an seine Umwelt zu verändern und macht allein wegen der guten Laune, die man beim Lesen bekommt, Spaß. Das anfangs genannte Beispiel mit der Renaturierung ist ein gutes, praktisches Bespiel wie man seine Welt nachhaltig und für das Gemeinwohl verändern kann.